Rätsel im Mittelalterkeller - Wandnischen
- JaKo Baudenkmalpflege
- vor 4 Tagen
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Mittwoch, der 02.04.2025.
Wandnischen sind in historischen Kellern nichts Ungewöhnliches. Sie existieren in unterschiedlichen Formen und Größen und lassen sich in Gebäuden aller Epochen von der Antike bis ins 20. Jahrhundert finden. Ihr Zweck war meist pragmatisch: Sie dienten als Ablageflächen oder zur Aufbewahrung von Gegenständen. Spezielle Lichtnischen ermöglichten das Platzieren von Kerzen oder Kienspänen – harzreichen Holzspänen, die als einfache Lichtquelle verwendet wurden und mit heller, wenn auch rußender Flamme brannten.
Die Anzahl der Nischen variiert von Keller zu Keller: Manche Räume verfügen nur über eine einzelne, andere über mehrere, manchmal sogar in derselben Wand. Ihre Form reicht von einfachen rechteckigen Vertiefungen bis hin zu Nischen mit rundbogigem, segmentbogenförmigem oder spitzem Abschluss. Häufig waren sie mit hölzernen Türchen verschließbar, von denen heute oft nur noch Spuren wie Anschlagfälze oder Kloben zeugen.
Im historischen Keller eines Gebäudes in Memmingen (Salzstraße 2/4) fanden wir verschiedene dieser Nischen vor – doch eine davon gibt uns Rätsel auf. In einem Stichflur befindet sich 1,30 m über dem Boden eine ungewöhnlich große Wandnische (1,35 x 0,85 m, Höhe ca. 70 cm), überwölbt von einem flachen Tonnengewölbe. An ihrer Rückseite ist eine kleinere rechteckige Nische (0,3 x 0,3 x 0,1 m) eingelassen. Das Besondere: Die Vorderseite der Nische war mit einer massiven Gitterkonstruktion aus Eichenbalken und Eichenstaken verschlossen, in deren Mitte eine kleine Tür saß – heute nur noch durch die erhaltenen Kloben erkennbar.
Welche Funktion könnte diese vergitterte Nische einst gehabt haben? Wurde darin etwas Wertvolles aufbewahrt – oder gar etwas Lebendiges eingesperrt?
Falls jemand eine Idee oder ein vergleichbares Beispiel kennt, freuen wir uns über Hinweise!
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